Bellaaah ...
Komm ... zu uns ...
Bellatrix BlackBlackBlack ... Black ...
Ja, das werde ich! Ich werde kommen ...
Nein, tue es nicht! Du darfst nicht, nein ...
Sie schlug die Augen auf. Heftig atmend blinzelte sie in die Dunkelheit, versuchte, die wabernden, bleichen Gesichter aus ihrem Kopf zu vertreiben, die Masken der Todesser, die sie in ihren Träumen verfolgten.
Bella ... Bella ...
„Still!“
Ihre eigene Stimme schien im Raum wider zuhallen, viel zu laut. Unnatürlich. Fremd.
Ja. Fremd war das passende Wort. Sie kam sich fremd vor, seit ein paar Monaten. Kalt. Nichts war wie früher. Früher hatte sie immer gewusst, was ihr größtes Ziel war: Dem Dunklen Lord beizutreten, die erste Frau unter seinem Gefolge zu werden – das war lange Zeit ihr Traum gewesen. Sie hatte immer gewusst, dass sie ihre Familie nicht enttäuschen wollte, nicht wie Annie, ihre Schwester, die diesen Muggelstämmigen geheiratet hatte. Sie wollte groß werden, berühmt, vom Dunklen Lord geehrt wie keine Andere ...
Doch dann, als der Tag endlich gekommen war, als sie am ersten Auftrag ihres Meisters beteiligt worden war, als sie diese Muggel hatte foltern dürfen, hatte sie plötzlich der Mut verlassen. Sie, Bellatrix! Natürlich hatte sie es sich nicht anmerken lassen, hatte nicht auf die Schreie der Frau geachtet, hatte den Zauberstab nicht sinken lassen, bis es vorbei war – aber seitdem verfolgten sie ihre Träume.
Die Frau mischte sich darin mit dem Gesicht ihrer Schwester Andromeda. Was hast du getan, Bella ... wie konntest du nur ... was hast du getan ...
Annie hatte nie verstanden, wie sehr sie sich nach der Gunst des Dunklen Lords sehnte, wie sehr es sie zu ihm hinzog. Allein bei dem Gedanken an ihn wurde ihr abwechselnd heiß und kalt. Ihre Augen loderten. Mit den Fingern tastete sie nach dem brennenden Mal auf ihrem Arm. Es würde erst aufhören zu schmerzen, wenn sie eine Entscheidung getroffen hatte. Noch war es nicht sichtbar, sie spürte es nur – aber wenn sie sich den Todessern anschloss, würde es schwarz auf ihrer Haut erscheinen und nur noch brennen, wenn der Dunkle Lord sie rief.
Wenn er sie rief ...
Wie herrlich wäre es, einfach aufzustehen, diese dunkle Kammer zu verlassen, hinauszugehen zu dem Todesser, der über sie wachte und zu verkünden: Ich bin bereit, mich ihm hinzugeben! Doch sie konnte nicht. Etwas hielt sie davon ab. Nur die Tatsache, dass sie eine so hervorragende Kämpferin war, rettete Tag für Tag ihr Leben. Jede andere Frau, die so lange zögerte, sich ihm anzuschließen, hätte der Lord längst umgebracht.
Wieso konnte sie nicht das tun, wonach sie sich immer gesehnt hatte? Was war los mit ihr?
Plötzlich erfasste sie wieder diese schreckliche Taubheit. Sie spürte ihren Atem nicht mehr, und Panik überkam sie. Sie musste etwas tun, musste spüren, dass sie immer noch lebte! Hastig griff sie nach ihrem Zauberstab, richtete ihn auf sich und dachte Crucio!
Der Schmerz durchzuckte sie wie Feuer. Sie wand sich, bog unter Qualen den Rücken durch und brach zusammen. Erst, als sie meinte, sie müsse zerbersten, unterbrach sie den Fluch mit einem Ruck.
Keuchend blieb sei auf den verdreckten Fliesen ihrer Zelle liegen. Seit Tagen war sie hier eingesperrt, aß nichts, trank nur Wasser und sprach kein Wort. Immer wieder erfüllte sie diese Panik, dieser unerklärliche Wunsch, sich durch diese Schmerzen ihre eigene Existenz zu beweisen ...
Ob das ein Zeichen war, dass sie langsam verrückt wurde? Oder war dieser Kerker mit einem Fluch belegt, der dazu führte, dass sie sich langsam selbst zerstörte? Vielleicht hatte der Dunkle Lord das geplant, vielleicht wollte er sie loswerden ...
Sie ließ den Kopf matt zur Seite fallen und versank in Dunkelheit.
Drei Tage später dann war es so weit. Sie wurde unter Johlen aus der Zelle geschleift, doch mit einem Ruck riss sie sich los und ging aufrecht durch die Gasse, die ihr die schwarz vermummten Gestalten frei machte. Ihre Augen glänzten fiebrig. Sie erinnerte sich nicht, wie lange sie in diesem Loch gelegen hatte oder wieso sie dort überhaupt gelandet war. Sie wusste auch nicht, was geschehen war, bevor heute morgen eine kratzige Stimme hinter vergitterten Türen gefragt hatte, ob sie dem Dunklen Lord jetzt beitreten wolle. Sie wusste nur, dass das ihr einziger und sehnlichster Wunsch war. Dafür war sie geboren, und dafür würde sie sterben.
Sie hatte keine Ahnung, dass diese Zelle bis jetzt jeden einzelnen Todesser zu absolutem Gehorsam abgerichtet hatte – ohne, dass diese Todesser es gemerkt hatten. Sie waren langsam und qualvoll an ihre geistigen Grenzen getrieben worden, indem sie ohne ihr Wissen tagtäglich gegen den Imperiusfluch einer Wache gekämpft hatten, der ihnen verbot, Voldemort beizutreten.
Erst dann, wenn sie instinktiv diesen Fluch abschütteln konnten, erst dann, wenn ihr Kopf nur noch von dem Gedanken erfüllt wurde, ihm endlich Treue zu schwören, wurden sie befreit.
Eine grausame Methode, um seine Anhänger gefügig zu machen – aber eine wirksame.