Leicht hinkend begab sich das gefiederte Tier zum Zaun der Koppel. Hier nahe der Steinhütte des zotteligen Menschen, war es recht bequem zu leben. Der Mann mit dem buschigen Bart hatte nicht nur sein verletztes Bein behandelt. Er brachte auch Futter, dass er dem stolzen Vierbeiner mit Adlerkopf auf recht rührselige Art und Weise anbot. Jetzt ging knarrend die Türe der urigen Hütte auf und der Wildhüter stapfte durch den tiefen Schnee. „Schnäbelchen, guck mal was ich für dich habe", posaunte der robust gebaute Mensch mit seiner tiefen Stimme über das Feld. Der Gerufene reckte seine Schwingen und schüttelte sich. Schnäbelchen! Konnte er nicht mal die Verkleinerungsform weglassen. Er war längst ausgewachsen und kein Küken mehr. Neugierig sah er zu wie der Wildhüter sein Geschenk über die Latten des Zaunes hängte und schön trappierte. Hui, eine Frettchen-Girlande mit zarten Zweiglein dekoriert. Mmmm, lecker. „Na was sagst du zu den feinen Weihnachtsleckerli?" fragte der zottelige Mann. Der vierbeinige Vogel wollte gerade erfreut mit dem Schnabel klackern. Da verengten sich seine Augen und *Schnäbelchen* wich erschrocken einige Schritte zurück. Es blinkte! Seine Girlande blinkte mit farbigen Lichtern. „Frohe Weihnachten, mein Junge." Der Wildhüter schmunzelte über den verdutzten Blick von Seidenschnabel. Dieser sagte aber nichts, sondern handelte. Pick, pick pick, hackte er mit seinem spitzen Schnabel gezielt die Blinkdinger kaputt. Die machten einem ja ganz nervös, so konnte man unmöglich fressen. Der Bastler des ganzen Weihnachts-Schmauses schaute perplex auf den Vogel, welcher nach getaener Arbeit genüsslich begann die Frettchen-Leckerli zu verspeisen. Seine Mahlzeit war schon fast beendet, da hörte er ein leises Klagen. Überrascht sah sich das gefiederte Wesen um. Jemine, aber nein. Da stand ein Fohlen mit silbernem Fell ganz alleine auf der Nachbarweide und jammerte. Betroffen zupfte der Vogel rasch an seiner Girlande und eilte dann hinüber. Auf den Knien und mit lang gestrecktem Hals bot er dem Einhornwaisen durch den Zaun die würzigen Zweiglein an. `Hier, du armes Kleines. Onkel Seidenschnabel hat was für dich.` Zaghaft zupfte das einsame Junge an dem Geäst und begann zu fressen. Gerührt sah der Wildhüter den beiden Tieren zu. „Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freud ist doppelte Freud." |