Vom Heimlichtuer zum Verschwörer by Elendril [Reviews - 1] Drucker |
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Inhaltsangabe: Weihnachten, Plätzchenduft und Vorfreude. Nur einer schießt quer. 
Warnung: Kein
Genre: Anderes / Allgemein
Charaktere: Hermine Granger, Severus Snape
Betaleser: viviane
Anmerkung des Autors:

Der Duft von frischgebackenen Plätzchen durchzog Hogwarts und ließ in den Schülern und Lehrern die Vorfreude auf das Fest steigen. Nur einer zog mit der gewohnt gelangweilten Miene durch die Gänge der Schule. Nur einer ließ sich nicht von der allgemein vorherrschenden Nervosität anstecken. Severus Snape ließ der Duft und die vorweihnachtliche Dekoration im Schloss vollkommen kalt. Schlimmer noch: In unregelmäßigen Abständen hielt Snape Vorträge darüber, wie sinnlos Plätzchen doch wären und dass er die ganze Aufregung um Weihnachten überhaupt nicht verstand. Er „outete" sich als Weihnachtshasser.


Während sich Lehrer wie Professor McGonagall oder Professor Sprout dazu hinreißen ließen, in ihren Unterrichtsstunden das eine oder andere weihnachtliche Thema zu behandeln, ignorierte Snape die Tatsache, dass in zwei Wochen das Fest der Feste anstand, vollkommen. Nun, dachte Hermine, man war von ihm ja auch nichts anderes gewohnt. Sie saß in der Bibliothek über einem Wust an Hausaufgaben. Warum waren die Lehrer gegen Ende des Jahres immer der Meinung, die Anforderungen noch ein Mal hochschrauben zu müssen? Nicht dass dies Hermine etwas ausgemacht hätte. Aber selbst ihr fiel auf, dass sich die Masse der zu erledigenden Aufgaben um diese Jahreszeit steigerte. So brütete sie über einem besonders schweren Trank und vergaß dabei vollkommen die Zeit.


Während sich die anderen Schüler bereits zum Abendessen begaben, saß sie immer noch über dem Buch mit den Zaubertränken, welches ihr ausnahmsweise ein Mal von Snape persönlich empfohlen worden war. Sollte dies schon ihr Weihnachtsgeschenk gewesen sein? Snape, der sie für gewöhnlich als „impertinente Nervensäge" bezeichnete, hatte ihr ein Buch empfohlen? Nun, es blieb ihr nicht viel Zeit darüber nachzudenken. Snape war für gewöhnlich um diese Jahreszeit noch nerviger, als er dies im übrigen Jahr schon war. Seine schlechte Laune schlich meist zwei Meter vor ihm die Gänge entlang, und wenn er bei seinen Rundgängen einen der Schüler erwischte, wie dieser von Weihnachten träumte, dann gab es eine Strafaufgabe oben drauf. Hermine lächelte. Es gab Dinge, die würden sich wohl auch nicht in diesen Tagen des Schreckens ändern. Snape blieb Snape.


 «Herminchen», sie zuckte zusammen, als sie Rons Stimme hörte, und schickte ihm auch gleich einen grimmigen Blick zu.
«Nenn mich nicht so, Ron Weasley,» polterte sie ihn an. Es war schon sträflich genug, dass er sie bei den Aufgaben störte, die er irgendwann in den nächsten Tagen eh bei ihr abschreiben würde. Aber dass er sie auch noch „Herminchen" nannte, war des Guten zu viel.
«Was willst Du?», schickte sie wenig freundlich hinterher und Ron grinste schuldbewusst.
«Willst Du nicht etwas essen? Du hockst seit Stunden hier drinnen ... Bücherstaub ist nicht gut für die Lunge und Du weißt, wie Mdme Pomfrey reagiert, wenn sie ihren guten Hustensaft rausrücken muss.» Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf, während er sprach. Ron wusste, er hatte in Hermines Augen eine Todsünde begannen. Er musste Abstand wahren, sonst hätte sie ihm womöglich einen ihrer Stifte vor den roten Schopf geworfen.
«Ich habe keinen Hunger, Ron» lamentierte Hermine, wohl wissend, woher Rons plötzliche Führsorge rührte. Sie lächelte ihn schwach an und hoffte, dass er sie damit in Ruhe lassen würde. Doch weit gefehlt.


«Das hab ich mir gedacht», grinste er und verschwand hinter einem Bücherregal, um kurz darauf bepackt mit einem Teller und einem Glas Milch wieder zum Vorschein zu kommen.
«Ein bisschen Nervennahrung schadet Dir nicht», Ron stellte den Teller vor Hermine ab und mit einem Lächeln auf den Lippen verschwand er.
Nun war es an Hermine zu lächeln. Nervennahrung. Ron hatte recht. Hungrig war sie zwar nicht, aber ein paar von den herrlichen Plätzchen aus der Küche, konnte sie nicht verschmähen.


Sie griff zu und ließ sich den Geschmack auf der Zunge zergehen. Weihnachtsgeschmack pur. Für einen Moment lehnte sie sich auf ihrem Stuhl zurück und schloss die Augen. Dieses Jahr würde sie in Hogwarts bleiben, über die Feiertage. Es war einfach zu gefährlich zu ihren Eltern heimzufahren. Und das schlimme an diesen köstlichen Plätzchen war: Sie erinnerten sie so sehr an zu Hause.


Mit einem Seufzer fuhr sie mit ihren Hausaufgaben fort. Ron musste jemanden in der Küche bestochen haben, denn der Teller wurde und wurde nicht leer, so viele Plätzchen lagen darauf.
Hermine schlug das Buch mit den Zaubertränken zu. Irgendwie kam sie hier nicht weiter und sie ahnte, dass Snape ihr dieses Buch nur empfohlen hatte, damit sie sich auf die Suche nach einem weiteren machte. So hielt man die Schüler am Lernen, seufzte sie leise. Also machte sie sich auf die Suche nach dem Buch, in welchem sich die weiteren Hinweise, zur Herstellung des Trankes in ihren Hausaufgaben womöglich befinden würde.


Langsam ging sie die langen Reihen der Bücher entlang, damit ihr auch nichts entging. Konzentriert las Hermine die Titel auf den Buchrücken und ab und an griff sie nach einem, um dann resignierend feststellen zu müssen, dass es nicht das Gesuchte war.
Die Halle der Bibliothek war mittlerweile menschenleer und so erschrak Hermine, als sie ein Geräusch hörte. Leise nur, aber es war definitiv da gewesen. Sie schaute hinter einem der Regale hervor. Nichts zu sehen.


«Hallo?», rief sie, «ist da wer?» Keine Antwort. Sie zuckte mit den Schultern und setzte ihre Suche weiter fort. Im letzten Fach, des Regals wurde sie endlich fündig und bereits die ersten Seiten lesend, ging sie zurück zu ihrem Tisch. Gedankenverloren setzte sie sich, doch plötzlich stutzte sie. Irgendetwas stimmte hier nicht. Hermine sah sich um. Sie brauchte einen Augenblick, bis sie feststellte, was nicht stimmte. Der Teller mit den Plätzchen war leer.


Hermine war sich sicher, dass er noch gut gefüllt war, als sie sich auf die Suche nach dem Buch gemacht hatte. Sie sah sich suchend um, aber es war niemand da. Sie schob den leeren Teller beiseite und widmete sich schulterzuckend wieder ihrem Buch. Kurze Zeit später war sie so darin vertieft, dass sie nicht bemerkte, wie sich jemand im dunklen Gehrock vor ihr aufbaute.
«Kommen Sie weiter, Ms. Granger?» Hermine erschrak, als sie die, kalte und schneidende, Stimme Snapes hörte. Sie zuckte zusammen und sah auf.
Dann nickte sie zaghaft.
«Ja, ich denke, ich komme gut voran,» etwas an Snape machte sie stutzig, aber sie kam nicht darauf, was anders an ihm war.
«Gut,» er räusperte sich. Snape räusperte sich nie, dachte Hermine erstaunt. Und ihr Blick fiel wie zufällig auf den Kragen seines Gehrocks. Jetzt bloß nicht lächeln, dachte sie bei sich. Doch Snape hatte diesen kleinen Moment der Unachtsamkeit bei Hermine bereits bemerkt und sah sie aus seinen arroganten Augen fragend an.


Hermine kicherte leise und zeigte mit ihrem Stift auf die Kante seines Kragens. Verständnislos blickte der Professor an sich herunter und klopfte dann mit konsterniertem Blick die letzten Plätzchenkrümel von seinem Gehrock. Hermine wagte nicht aufzusehen, aber ein leichter Windhauch sagte ihr, das Snape etwas schneller als sonst, auf dem Absatz kehrt gemacht hatte, um die Bibliothek zu verlassen.
Sie löste die Hausaufgabe und packte ihre Sachen zusammen. Der nächste Tag würde zwei Doppelstunden bei Snape bringen. Schlimm genug, aber sie hatte ihre Unterlagen vollständig, so konnte er sie wenigstens hier nicht vor der Klasse vorführen.


Die erste Stunde bei Snape begann und niemand außer ein paar Slytherins war darüber begeistert. Hermine verkroch sich hinter dem breiten Rücken eines größeren Mitschülers, legte ihre Unterlagen und Kessel bereit und wartete auf Snapes Erscheinen. Ron und Harry schienen sich bereits weit vor dem Unterricht von ihrer Aufmerksamkeit verabschiedet zu haben und Hermine verdrehte darüber nur genervt die Augen.
Als Snape erschien, verschlug es ihr fast die Sprache. In seinem Schlepptau folgten ihm einige Hauselfen, die einige Karaffen mit Milch und wieder einige, Tabletts mit Plätzchen, vor sich hertrugen.
Snape warf Hermine im Vorbeigehen einen scharfen Blick zu und ob sie wollte oder nicht: Sie musste lachen. So wurde aus einem Heimlichtuer, ein Verschwörer.